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Killewitchen

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Die Killewittchen

Unfern des Dorfes Hastenrath ist eine Stelle, wo es noch heute im Killewittchen heißt. Dort sah man vor 50 Jahren einen großen Felsen aus Kalkstein, der jetzt vom Bergwerksverein beseitigt ist. In dem Felsen war eine große Höhle, in der kleine Steinbänke standen. Dort haben vor Zeiten die Killewittchen gewohnt. Das waren kleine Zwerge, die sich am Tage nie sehen ließen. In der Nacht verrichteten sie ihre Arbeit. Dabei wollten sie nicht gesehen sein. Die Hastenrather wußten das und ließen sie in Ruhe; denn die Leute standen gut dabei. Zur Zeit der Ernte geschah es oft, daß die reife Frucht, die am Abend noch auf den Halmen gestanden hatte, abgeschnitten war und auf Haufen stand. Die Leute wußten gleich, wer das getan hatte. Wer seinen Pflug im Felde stehen ließ, fand des Morgens seinen Acker frisch gepflügt. Die Killewittchen unterstützten bei ihrer Arbeit besonders die Bauern, die ihre Felder in der Nähe ihrer unterirdischen Wohnungen hatten. Eines Tages waren die Killewittchen fort; wohin sie sich gewandt, und warum sie fortgezogen sind, weiß man nicht. Es wird nur erzählt, vor ihrem Wegzuge hätten sie lange Zeit in der Erde gewühlt, ihre reichen Schätze in Säcke verpackt und mit auf die Reise genommen.

Die Wortsilbe 'Kille' in Killewittchen ist abzuleiten von dem keltischen Wortstamm 'cill', womit Höhlen, insbesondere auch Erdhöhlen gemeint sind. Der gleiche etymologische Zusammenhang gilt auch für die im rheinischen Raum gebräuchlichen Begriffe wie Kuhle, Kaule, Kull, die sich allesamt auf Schürfstellen jeglicher Art u. insbesondere auch auf Steinbrüche beziehen.

Bei den Killewittchen ist das Element der hilfreichen Geister (Penatenüberlieferung) besonders stark ausgeprägt. Sie sollen, wie das ehemals zu Köln bei den Heinzelmännchen üblich war, den Bauern u. Handwerkern oft zur Hand gegangen sein u. während der Nacht so manche Arbeiten verrichtet haben.

Vor ihrem Verschwinden sollen die Killewittchen lange in der Erde gegraben, die kostbaren Schätze verpackt u. diese mitgenommen haben. Durch dieses Motivelement wird der Bezug zwischen Zwergen u. Bodenschätzen ganz besonders deutlich.

Nun gibt es tatsächlich genau dort, wo die Killewittchen gehaust haben sollen, in den hier gut ausgebildeten Karsthöhlen spektakuläre Kalkspatbildungen. Ob Kalksinter, Tropfsteine, Tropfleisten oder Calcitkristalle, diese Bildungen sind allesamt von wirklich hervorragender, modellhafter Erscheinungsform. Man könnte also durchaus vermuten, dass es sich hierbei um die besagten Zwergenschätze handelt.

Es gibt aber auch eine weitere, eine ganz andere Möglichkeit, das Motivelement der kostbaren Zwergenschätze zu deuten. Dieser Interpretationsansatz geht davon aus, dass sich in den Geschichten um unsere lokalen Zwerge ursprünglich eine Symbiose aus römischen Hausgeistern und römischen Bergleuten widerspiegelt. Somit wären mit dem Einfall der Franken und dem Abzug der Römer natürlich auch die Zwerge verschwunden.

Und vielleicht haben die Zwerge bzw. die römischen Bergleute keinen wirklichen, tatsächlichen Schatz mitgenommen. Was sie möglicherweise mitgenommen haben, war das Geheimnis um Galmei und um die Herstellung von Messing. Und dieses Geheimnis, dieses Wissen, war damals nun tatsächlich so wertvoll wie ein kostbarer Schatz. Nach dem Fortgang der Römer hat es in der Tat bis zum Mittelalter, also über 600 Jahre gedauert, bis man in unserer Gegend wieder das damals so kostbare Messing herstellen konnte.

Vielleicht kann man sich so die Killewittchen beim Verpacken der reichen Schätze vorstellen. (Quelle: Bersch (1898): Mit Schlägel und Eisen.)
Vielleicht kann man sich so die Killewittchen beim Verpacken der reichen Schätze vorstellen. (Quelle: Bersch (1898): Mit Schlägel und Eisen.)
Die besonders schönen Kalkspäte, die genau dort vorkommen, wo die Killewittchen gehaust haben sollen, lassen sich als mineralogische Bildung, als Ergebnis einer Geländeverkarstung oder eben auch als Zwergenschätze auffassen.
Die besonders schönen Kalkspäte, die genau dort vorkommen, wo die Killewittchen gehaust haben sollen, lassen sich als mineralogische Bildung, als Ergebnis einer Geländeverkarstung oder eben auch als Zwergenschätze auffassen.

Um 1920 erschien in der Geschichte von Hastenrath ein von Peter Bündgens verfaßtes Gedicht über die Killewittchen, welches die hilfsbereiten Wesenszüge dieser Zwerge beschreibt:

Der eine melkt geschickt die Küh’,
Der andere streut das Futter,
Ein dritter dreht mit großer Müh’
Die Milch im Faß zu Butter.
Gestriegelt steht das Ackerpferd,
Gereinigt sind die Ställe,
Und blank geputzt ist schon der Herd
Und sauber Tür und Schwelle.
Im Gärraum geht es lustig her,
Da keltern sie die Weine,
Die Weizengarben liegen leer
Gedroschen in der Scheune.

Sehr viel später, nämlich 1983, erschien ein weiteres Gedicht über die Killewittchen. Der Verfasser war Dr. J. Eschbach. Der Autor nimmt hier sowohl Bezug auf montanhistorische Aspekte als auch auf die Menschenfreundlichkeit der gutmütigen Zwerge.

Dort, wo ein Höhenrücken die Städte trennt,
die man Eschweiler und Stolberg nennt,
liegt die Landschaft noch heute zerwühlt,
so daß man das Wirken der Zwerge fühlt.
Hier hausten sie fröhlich in Höhlen und Schächten
man hörte ihr Trappeln in sternklaren Nächten;
tagsüber wurde, geschürzt und bezopft,
unermüdlich nach Kalkstein und Erzen geklopft.
Denn wußten sie einen Menschen in Not,
den ein Kummer quälte oder die Sorge ums Brot,
dann halfen sie eilig mit flinker Hand
und haben das Ärgste abgewandt.

 

Randnotizen

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