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Stolberg

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Herzlich willkommen in der Kupferstadt Stolberg

Stolberg ist eine südöstlich von Aachen, am Fuß der Eifel gelegene Stadt mit ca. 60.000 Einwohnern. Die Kombination aus zahlreichen Industriebetrieben einerseits und großräumigen Wald- bzw. Grünflächen veranlaßt unsere Besucher häufig, Stolberg als Industriestadt im Grünen zu bezeichnen.

Die Entwicklung des Wirtschaftsraumes um Stolberg ist über Jahrhunderte ganz entscheidend durch den Abbau und durch die Nutzung von Erz und Kohle geprägt worden. Im Bereich der Erzlagerstätten, die sich hauptsächlich im Süden Stolbergs befinden, können keltische Schürftätigkeiten als wahrscheinlich und Bergbauaktivitäten zu römischer Zeit als zweifelsfrei belegt gelten.

Der römische Erzabbau und das daraus resultierende Metallgewerbe führten zwischen dem 1. und 4. Jahrhundert zu einer ersten wirtschaftlichen Hochblüte. Eine besondere Rolle spielten hierbei die als Galmei ausgebildeten Zinkerze, die für die Herstellung der aus Kupfer und Zink bestehenden Messinglegierung Verwendung fanden. Die glockenförmigen Gefäße des sogenannten Hemmoorer Types sind fast schon zum Synonym für römische Messingwaren geworden und gehörten damals sicherlich zu den Gütern, welche man dem gehobenen Bedarf zurechnen würde. Die im Süden der heutigen Stadt Solberg gelegenen Ortsteile Breinig, Mausbach und Gressenich gelten als mögliche Herkunftsorte dieser römischen Messinggefäße. Hier ist auch der Ursprung der Stolberger Sagen und Zwergengeschichten zu suchen.

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurde mit dem Zuzug der sogenannten Kupfermeister aus Aachen der Grundstock für eine zweite Hochblüte der Messingindustrie gelegt, die im 18. Jahrhundert zu einer europaweiten Monopolstellung der im Stolberger Raum ansässigen Messingproduzenten führen sollte. Auslöser für die Abwanderung der Aachener Kupfermeister nach Stolberg waren Religionskonflikte, welche die protestantischen Kupfermeister im katholischen Aachen in ernsthafte, manchmal lebensbedrohliche Schwierigkeiten brachten. Die weitere, außergewöhnlich günstige Entwicklung läßt sich durch die nahezu idealen Standortgegebenheiten im Stolberger Raum erklären. Neben den für die Messingherstellung zwingend notwendigen Grundstoffen Galmei und Kohlholz hatten die Bachläufe von Vicht, Inde und Wehe hinreichende Wasserführung sowie ein zum Betrieb der Hammerwerke ausreichendes Gefälle.

Aus dieser Zeit stammt auch der Begriff Kupferstadt, der bis heute häufig als Bezeichnung für Stolberg Verwendung findet. Dieser Ausdruck basiert auf eine eigenartige Sprachgewohnheit der früheren Jahrhunderte. Messing nämlich wurde damals in der Umgangssprache als gelbes Kupfer bezeichnet. Nach heutigem Sprachgebrauch müßte bei den Begriffen Kupfermeister, Kupferhof, Kupfermühle und auch Kupferstadt das jeweils erste Substantiv durch den Ausdruck Messing ersetzt werden.

Foto: Kupferhof Rosental
Kupferhof Rosental (F. Holtz)

Mit beginnender Industrialisierung wurden um die Mitte des 19. Jahrhunderts andere Aspekte der hier vorliegenden Standortkonstellation für die weitere Entwicklung dominant. Die Kombination der bereits erwähnten Erzlagerstätten mit den in nächster Nähe gelegenen, bauwürdigen Steinkohleflözen ließ hauptsächlich im Süden Stolbergs und im angrenzenden Eschweiler die erste Industrielandschaft auf deutschem Boden entstehen. Neben den Zink- Blei- und Eisenhütten siedelten sich auch Glashütten an, die zunächst allesamt ihren Energiebedarf aus den heimischen Kohlezechen (also ohne nennenswerte Transportkosten) decken konnten. Die bei der Verhüttung von sulfidischen Erzen anfallende Schwefelsäure ermöglichte die Entwicklung einer großchemischen Industrie, die sich hauptsächlich auf die Herstellung von Soda spezialisierte. Die Chemische Fabrik Rhenania beispielsweise galt weltweit als größter Hersteller von Leblanc-Soda und war über Jahrzehnte Technologie-Führer auf diesem Sektor. Die Verfügbarkeit von Soda wiederum war eine wichtige Voraussetzung für die rasante Entwicklung der Textil- und Waschmittelindustrie sowie der Glashütten, da letztere Soda in erheblichen Mengen als Flußmittel einsetzen mußten.

Während die Kohlevorräte bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts zur Neige gingen, reichten die bauwürdigen heimischen Erzlager noch bis 1919, als mit der Grube Diepenlinchen das letzte und zugleich größte Erzbergwerk im Stolberger Raum aufgegeben werden mußte. Trotzdem ist immer noch eine Vielzahl von Großbetrieben der NE-Industrie in Stolberg ansässig, darunter auch die Bleihütte Binsfeldhammer, welche seit fast 10 Jahren mit dem hochmodernen, recht umweltverträglichen QSL-Verfahren arbeitet. Hierbei spielt sicherlich auch die Existenz qualifizierter und hochspezialisierter Betriebsbelegschaften eine gewisse Rolle. Zumindest im Falle der Bleihütte ist die Standortpersistenz u.a. dadurch zu erklären, daß die Errichtung neuer Anlagen an neuen Standorten in Westeuropa gegenwärtig kaum durchsetztbar wäre.

 

Randnotizen

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