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Galminus, die Lichtgestalt

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Galminus, die Lichtgestalt

In den absolut dunklen und unheimlichen Grubenbauen früherer Bergwerke war das Geleucht des Bergmannes als einzige Lichtquelle von hoher, oftmals lebenswichtiger Bedeutung. Nicht nur, daß der Schein der Grubenlampe die Arbeit vor Ort überhaupt erst ermöglichte, der Bergmann benötigte sein Geleucht auch, wenn er bei Schichtende den Rückzug zum Fahrschacht oder zum Stollenausgang antrat. Neben der Freiberger Blende war die so genannte Froschlampe das übliche Geleucht im damaligen Bergbau, und dieser Lampentyp wurde auch in den Stolberger Erzgruben - wie beispielsweise Diepenlinchen oder Breinigerberg - eingesetzt.

Ein derartiger Grubenfrosch bestand aus einem mit Öl, Talg oder Unschlitt gefüllten Behälter, in den ein Docht eintauchte, der angezündet wurde. Der in der bergmännischen Umgangssprache gängige Begriff Funzel läßt durchaus Rückschlüsse auf die bescheidene, nahezu armselige Helligkeit und Leuchtkraft dieser Lampen zu. Und selbstverständlich war der Bergmann immer wieder froh, wenn er nach Beendigung seiner Schicht aus der ewigen Nacht zum Licht und zur Erdoberfläche zurückkehrte, die er bezeichnenderweise nicht Erd-, sondern Tagesoberfläche nannte. Die heute in vielen Besucherbergwerken üblich gewordene Illumination der Grubenbaue läßt diesen Umstand häufig vergessen, ebenso wie die Tatsache, daß die oft eindrucksvolle Weite vieler Abbaukavernen von den früher dort tätigen Bergleuten nie in Gänze betrachtet werden konnte.

Der Wunsch, fast möchte man sagen die Sehnsucht nach Licht war nicht nur bei den Bergleuten, sondern offenbar bei allen Menschen mehr oder weniger stark ausgeprägt. Schon seit Urzeiten waren in Mittel- und Nordeuropa Lichterfeste gebräuchlich, die meist in zeitlicher Nähe zur Wintersonnenwende begangen wurden.

Im christlichen Glauben wird der Erlöser symbolhaft als Licht in der Finsternis bezeichnet. So ist es nicht verwunderlich, daß die Geburt des Heilands mitten im Winter, kurz nach dem Tiefststand der Sonne und bei hoffnungsvoll beginnender Längung des Tageslichtes gefeiert wurde bzw. noch heute gefeiert wird. Hiermit konnte man an vorhandene, vorchristliche Traditionen anknüpfen, man konnte den Sinn des Festes in christlichem Sinne umdeuten und gewachsene Traditionen vereinnahmen.

Wenn man heute die übliche Wohnraumbeleuchtung ausschaltet, damit der Lichterbaum zur Geltung kommt, so ist das - streng genommen - eine Perversion der ursprünglichen Idee; der Vorstellung nämlich, mitten im Winter durch eine Vielzahl brennender Kerzen die Dunkelheit zu vertreiben und sich an den zu erinnern, der als Licht in der Finsternis beschrieben wird.

Wenn auch nicht vor christlich-religiösem Hintergrund, so wird der Symbolbezug zwischen hellem Licht und segenbringendem Wesen auch in einer Sage reflektiert, die von Bergleuten der ehemaligen Erzgrube Diepenlinchen bei Stolberg - Mausbach erzäht wurde:

Ein kleines, altes Bergmännchen ging durch die Strecke des Bergwerkes, ob es Diepenlinchen oder ein anderes Bergwerk in der Nähe war, ist zweifelhaft. Da begegnete ihm auf dem Wege ein Bergmann von ungewöhnlich hohem Wuchse, den es noch nie gesehen hatte. Das Licht des riesenhaften Fremden strahlte so sehr, daß man weit durch die 'Strecke' sehen konnte. Verwundert schaute der Bergmann den Fremden an; dieser redete ihn an mit den Worten: "Sag ens, deng Lamp geht uhs." "Dat weß ich, dröm woll ich att maache, dat ich flöck op de Poste komm," antwortete das Bergmännchen. Der Berggeist, das war nämlich der Riese, sagte zu ihm: "Geff mich ens deng Lamp, dann well ich dich jett Ollig dropp donn; evve saag kenem jett, söß geht dich deng Lamp at wärem (wiederum) uhs." Darauf schüttete er dem Bergmännchen Öl auf die Lampe und sagte dann: "Du bruchs jetz keen Ollig mie dropp ze schödde. Säß de evve enem jett, dann moß du och wärem Ollig opschödde wie deng Kamerade." Mit diesen Worten war der Riese in der Strecke verschwunden; der Bergmann sah nur, wie durch das Licht des Verschwundenen die Strecke meilenweit erleuchtet war. Unser Bergmännchen hatte von nun an ein so schönes, helles Licht, wie keiner von seinen Kameraden. Er brauchte auch kein Öl aufzugießen. Das wunderte die übrigen Bergleute, und sie fragten ihn, wie er an das schöne Licht käme. Er sagte aber nichts, wie ihm der Berggeist befohlen hatte. Endlich, nach langer Zeit konnte er dem ungestümen Drängen seiner Kameraden nicht widerstehen und offenbarte ihnen das Geheimnis. Sein Licht erlosch sogleich, und hinfort mußte er Öl auf seine Lampe schütten, wie alle anderen.

 

Randnotizen

Bild von Galminus mit einer Lampe
Grafik: Einladung zum Galminus-Münzsammelspiel
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