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Zu den einstigen Mühlen am Münsterbach

Inhalt

Zu den einstigen Mühlen am Münsterbach

Ein historischer und naturkundlicher Rundwanderweg von ca. 8 km Länge.

Unsere Wanderroute beginnt an der Buschmühle, einem kleinen Siedlungsweiler direkt an der Verbindungsstraße von Münsterbusch nach Eilendorf. Am Startpunkt des Wanderweges liegt direkt am Bach ein Parkplatz und ebenfalls eine Bushaltestelle, die von der Linie 12 angefahren wird.

Die Straße wurde in den Jahren 1830 bis 1836 zum Transport von Kohle und Zinkprodukten nach Aachen von den Brüdern James u. John Cockerill angelegt. James war Eigentümer der gleichnamigen Kohlezeche (Jamesgrube) und John betrieb die Zinkhütte St. Heinrich. Beide Unternehmen lagen in unmittelbarer Nachbarschaft im Ortsteil Münsterbusch.

Foto: Buschmühle
Buschmühle (Foto: F. Holtz)

Die Buschmühle ist eine ehemalige Kupfermühle, die kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg als Doppelhofanlage errichtet wurde. Zu Anfang des 19. Jh. wurde in der Buschmühle ein Messingwalzwerk betrieben. Wenig später diente die Anlage der Textilfabrikation. Von den ursprünglichen Gebäuden existiert nur noch das alte Herrenhaus.

Der erste Teil der Tour verläuft entlang der Inde, deren Oberlauf in der lokalen Umgangssprache auch Münsterbach genannt wird, da er sich auf dem Gebiet der ehemaligen Reichsabtei Kornelimünster befindet.

Am Wegesrand unserer Wanderstrecke findet man immer wieder beachtenswerte Pflanzen. Gleich zu Beginn der Wanderung in Buschmühle sieht man in den Baumkronen der Pappeln die immergrüne Mistel. Diese Pflanze schmarotzt auf Bäumen und ist selten. Die Mistel spielte in alten Sagen und Märchen eine große Rolle. Besonders wurde sie von den keltischen Völkern als dämonenabwehrende Pflanze verehrt. Auf diese Gebräuche geht auch der weihnachtliche Mistelzweig in England zurück.

Im ersten km quert man die Höckerlinie, ein Relikt des vor dem 2. Weltkrieg gebauten Westwalls. Wenige hundert Meter weiter trifft man auf die Stelle, wo früher das PUMPENHAUS gestanden hat (erkennbar an dem auffälligen Wehr im Bachbett). Diese Pumpanlage diente der Wasserhaltung im Münsterkohlberg (Steinkohleabbau). Das auch unter dem Namen Münsterpumpe bekannte Gebäude wurde ab 1889 landwirtschaftlich genutzt und 1960 abgerissen.

Von hier führt uns der Weg weiter zur HAUMÜHLE, einer 1647 entstandenen Mühlenanlage, die zu Anfang des 19. Jh. aus zwei Hammerwerken (zur Weiterverarbeitung von Plattenmessing) und zwei Drahtzügen bestand. Seit 1815 bis 1960 war die Haumühle Standort der Textilindustrie und wird heute von mehreren kleineren Gewerbebetrieben genutzt. Der größte Teil der ursprünglichen Mühlengebäude fiel 1938 einem Brand zum Opfer.

Von der Buschmühle am Bach entlang, vorbei an satten Wiesen zur Haumühle und zur Bocksmühle, finden wir im zeitigen Frühjahr das Scharbockskraut mit runden etwas herzförmigen Blättern, die wie lackiert aussehen und dicht an dicht einen grünen Teppich bilden, der mit unzähligen gelben Sternchen geziert ist, den gelben Blüten, die sich bei Sonnenschein öffnen. Scharbockskraut ist sehr Vitamin C haltig und ein beliebtes Kraut für die Wildkräuterküche. An Hecken und beschatteten Wegrändern finden wir hier die Knoblauchrauke. Sie ist eine Nahrungspflanze für die Raupen des Aurorafalters und eignet sich auch gut als Würzkraut für Salate und dergleichen. Die zerriebenen Blätter duften intensiv nach Knoblauch. Hier finden wir auch den Gundermann mit seinem ungewöhnlichen, würzigen, aromatischen Duft. Im Mittelalter wurden stark duftende Kräuter als Zauberkräuter verwendet. So sollte auch der Gundermann mit seinem Duft die bösen Geister abwehren, die die Kühe verzauberten, so dass sie keine Milch mehr geben konnten. Heute wird Gundermann gerne als Hustentee, und in der Wildkräuterküche verwendet. Hier finden wir auch den Giersch mit seinem flächendeckenden Vorkommen. Er wurde früher nicht nur als Heilkraut gegen Gichterkrankungen sondern auch als Gemüse genutzt. Die zerriebenen Stängel und Blätter riechen nach frischen Möhren. Auf den Wiesen sehen wir Löwenzahn, Spitzwegerich,Wiesenschaumkraut, Klee und Wiesenkerbel; an den Wegrändern zartrosa blühende Heckenrosen, Schafgarbe, Johanniskraut und wilden Majoran. An feuchten Stellen finden wir im Sommer die echte Mädesüß. Sie stand Pate bei der Entwicklung eines der bekanntesten Arzneimittel unserer Tage, dem Aspirin. Die Grundsubstanz, Acetyl-Spiraein-Säure, wurde früher aus Mädesüß gewonnen.

Nach nicht einmal einem Kilometer erreichen wir die BOCKSMÜHLE, die 1646 als Besitz der Abtei Kornelimünster erstmalig Erwähnung fand. Damals wurde sie als Tiefmühle zur Kesselherstellung genutzt, während sie 1690 als Drahtzug ausgewiesen ist. Ab 1810 befand sich dort eine Spinnerei, die 1906 abbrannte. Die Restgebäude werden heute landwirtschaftlich genutzt.

Foto: Tatternsteine
Die Tatternsteine (Foto: F. Holtz)

Nur wenig weiter sieht man auf der rechten Seite eindrucksvolle, den gesamten Talhang überdeckende Steilwände, die TATTERNSTEINE genannt werden. Diese von der Inde freigelegten Gesteinskörper bestehen aus stark abgerundeten Gesteinstrümmern (Gerölle), dem so genannten Konglomerat. Es ist aus Verwitterungsschutt entstanden, der in der Zeit des Oberkarbons (vor etwa 340 Millionen Jahre) durch Fließgewässer aus dem Vennmassiv transportiert worden ist. Der Volksglaube bringt diese Felsformation auch mit Zwergen in Verbindung, so daß man die Tatternsteine auch Zwergensteine nennt. Eine durch Überhang entstandene Nische wird als Zwergenhöhle bzw. Zwergenbehausung angesehen.

Foto: Hof Gedau
Hof Gedau (Foto: F. Holtz)

Nach wenigen Metern folgt auf der linken Seite der Hof GEDAU, ein ehemaliger Kupferhof. Die Anlage wurde von dem 1644 geborenen Theodor Peltzer betrieben u. blieb bis mindestens 1757 im Besitz dieser Familie. Zwischen 1800 u. 1958 war die Gedau Standort des Textilgewerbes. Unter den Betreibern befanden sich fünf Generationen der Familie Nelessen sowie die Familie Bartholemy. Die Gedau wird nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten heute als Wohnanlage genutzt. Nach Westen hin ist heute noch unmittelbar neben dem Gebäudekomplex die tiefer liegende, rechteckige Mulde des früheren Mühlenteiches zu sehen.

Wir folgen dem Weg an der Gedau vorbei etwa zweihundert Meter. Zur Linken dehnt sich das Tal hin zur vor uns liegenden ELGERMÜHLE, die wir jedoch nicht erreichen, weil wir uns nach rechts steil in den Wald begeben.

Im Buchenwald finden wir das Buschwindröschen (wilde Anemone) und den Waldmeister. Bevor in den letzten Jahrzehnten Duftsprays in Mode kamen, benutzten Generationen davor ein Waldmeistersträußchen um den Muff aus Räumen und Kleiderschränken zu vertreiben. Waldmeister für die Maibowle ist auch heute noch bekannt. Dabei sollte beachtet werden, nicht mehr als 13 Stängel auf einen Liter Wein zu geben. Das im Waldmeister enthaltene Cumarin könnte in höherer Konzentration Schwindel und Kopfschmerzen verursachen.

Auf der Kuppe folgen wir dem Höhenweg nach links bis zur Bebauung und dem Sportplatz. Vom Sportplatz folgen wir dem Waldweg in den Truppenübungsplatz, überqueren nach zweihundert Metern die Waldwegekreuzung und biegen danach rechts ab auf den Hauptweg zurück zum Ausgangspunkt.

Von hier aus bietet sich an, auch die unweit gelegene NEPOMUCENUSMÜHLE zu umwandern. Dazu folgen wir auf der gegenüberliegenden Straßenseite dem Bachweg. Nach einigen hundert Metern und dem zweiten Schlagbaum gehen wir, einem geteerten Pfad folgend, nach rechts über die Bachbrücke in das sogenannte Hämmchen, eine etwas sumpfige Niederung, und befinden uns auf dem erstmals 1646 erwähnten Mühlengelände. Das ursprüngliche Mühlengebäude hatte vier Mühlenbäume mit Hämmern für die Messingverarbeitung. Heute betreibt die Rheinische Filztuchfabrik hier ihr Unternehmen. Erstaunlich ist, daß bis 1944 der Strom für die Maschinen des Unternehmens durch Wasserkraft selbst erzeugt wurde.

Auf einer zweiten Brücke überschreiten wir den Mühlenbach und wenden uns nach rechts zurück zum Ausgangspunkt.


Erstellt von der Projektgruppe "Wanderwege"

  • Friedrich Holtz
  • Gabi Jansen
  • Willy Plum
  • Peter Strathausen
 

Randnotizen

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