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Messing

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Messing

Messing ist eine Legierung (Mischung) der beiden Metalle Kupfer und Zink, wobei die Gewichtsanteile des Kupfers meist bei ca. 70% und die des Zinks bei ca. 30% liegen.

Farbe und Glanz des (blankgeputzten) Messings erinnern sehr stark an Gold. Nicht nur deshalb trägt unsere Messing- Ausstellung den Untertitel "das Stolberger Gold". Vom ausgehenden 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts nämlich brachte das Messinggewerbe seinen Betreibern im Stolberger Tal Wohlstand und Reichtum.

Messing wird heute durch das Zusammenschmelzen der beiden Reinmetalle Kupfer und Zink erzeugt. Metallisches Zink jedoch war bis zum ausgehenden 18. Jahrhundert nicht verfügbar und die Legierungsbildung musste somit unter Verwendung eines Zinkerzes (dem Galmei) bewerkstelligt werden.

Foto: Gegossene Messingplatte zwischen zwei Bretaniern.
Gegossene Messingplatte zwischen zwei Bretaniern

Für den Legierungsprozess (Messingbrennen, nach damaliger Terminologie) wurden gemahlener Galmei und gemahlene Holzkohle zusammen mit Kupferstücken in mehrere Schmelztiegel gefüllt. Bei Temperaturen von über 900 bis knapp 1000 Grad Cels. wurden die Sauerstoffanteile des Erzes durch den Kohlenstoff der Holzkohle gebunden und die Zinkbestandteile des Erzes als Zinkdampf freigesetzt. Diese Zinkdämpfe lösten das Kupfer an, was zur Legierungsbildung führte.

Obwohl das hergestellte Messing ca. 70% Kupfer und nur etwa 30% Zink enthielt, überstieg die einzusetzende Zinkerzmenge das eingebrachte Kupfergewicht um das Doppelte, weil:

  • eine vollständige Absorption der Zinkdämpfe an den Kupferstücken nicht gelang und

  • man das Zink nicht in metallischer Reinform, sondern als Erz zugeben musste.
Foto einer Schautafel: Mit vereinten Kräften
Mit vereinten Kräften

Auf Grund dieser Relation der Einsatzstoffmengen (2 Teile Galmei, 1 Teil Kupfer) siedelte sich das Messinggewerbe nahezu ausschließlich in der Nähe von Galmeilagerstätten an.

Eigenartigerweise wurden die Messingproduzenten "Kupfermeister" genannt, was wohl zum Teil daran lag, dass sie zur Ausübung ihres Gewerbes Kupfer in großen Mengen "importieren" mussten. Die Standes- bzw. Berufsbezeichnung "Kupfermeister" dürfte jedoch noch einen anderen Hintergrund gehabt haben.

Wie bereits oben erwähnt, wurden die Zinkbestandteile der Messinglegierung im Schmelztiegel in dampfförmigem Zustand frei. Wenn man also einen Schmelztiegel aus dem Ofen nahm und hineinschaute, konnte man das Zink nicht sehen, es blieb völlig unsichtbar. Die Zinkdämpfe entwichen aus dem Tiegel und bildeten mit dem Luftsauerstoff sofort Zinkoxyd.

In Unkenntnis der Legierungs- Komponente Zink bezeichnete man im umgangssprachlichen Gebrauch beide Werkstoffe (sowohl Kupfer als auch Messing) schlicht und einfach als Kupfer. Wenn man differenzieren wollte, sprach man vom roten Kupfer (Reinmetall) oder vom gelben Kupfer (Messing). Somit nannte man auch die Messingproduzenten "Kupfermeister" und nicht "Messingmeister", wie es unserem heutigen Sprachgebrauch entsprechen würde.

Foto: Drückbank
Drückbank

Die 1575 einsetzende Zuwanderung der protestantischen Kupfermeister von Aachen nach Stolberg wird häufig mit Religionskonflikten im katholischen Aachen begründet. Ebenso entscheidend, wenn nicht sogar ausschlaggebend, waren jedoch die Standortvorteile im Stolberger Tal:

  • Galmeilagerstätten im Bereich Breinig, Mausbach, Gressenich,
  • Wasserkraft der Vicht zum Antrieb der Hammerwerke, Blasebälge etc.
  • Waldreiche Umgebung zur Gewinnung von Holzkohle und
  • Steinkohlelagerstätten zum Betrieb der Messingöfen.
Foto: Zahnräder
Zahnräder

Entsprechend der oben beschriebenen Sprachkonvention wurden und werden auch heute noch die Wohn- und Betriebsstätten der Kupfermeister Kupferhöfe genannt.

Ab 1575 bauten die Kupfermeister diese Höfe als geschlossene, verteidigungsfähige Anlagen. Das Erscheinungsbild der Kupferhöfe wandelte sich mit zunehmendem Wohlstand der Kupfermeister. Um und nach 1700 wurden in Stolberg die repräsentativen Hofanlagen Grünenthal und Rosenthal errichtet.

Foto: Messingschalen
Messingschalen

Ein großer Wandel im Messinggewerbe setzte gegen Ende des 18. Jahrhunderts ein, als durch neue Technologien (Zinkdestillation) die räumliche Anbindung an die Galmeilagerstätten nicht mehr erforderlich war. Im 19. Jahrhundert hatte die Messingherstellung in Stolberg kaum noch Bedeutung. Einige der Kupfermeister bzw. deren Firmen konzentrierten sich auf die Fertigung von Halbzeug, andere wendeten sich der Glas- und Textilindustrie, der Kurzwarenproduktion oder der Blei- und Zinkverhüttung zu.

Foto: Haken und Ketten
Haken und Ketten
Foto: Messingprodukte
Messingprodukte

  

Hammerwerk
 

Randnotizen

Grafik: Einladung zum Galminus-Münzsammelspiel
Grafik: Feiern Sie Ihre Veranstaltung bei uns!

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